Fotoalben vereinen alle Zerfallsprobleme einzelner Abzüge mit mehreren ganz eigenen Schwierigkeiten. Das erste Problem ist die Klebstoffverbindung. Die meisten Familienalben aus den 1970er und 80er Jahren verwendeten sogenannte Magnet-Kontaktklebebänder (magnetic peel-and-stick albums) — eine dünne, transparente Folie, die über eine klebrige Kartonunterlage gezogen wurde. Der Kleber dieser Seiten war ursprünglich dafür gedacht, Abzüge vorübergehend zu halten, doch über Jahrzehnte wird er dauerhaft. Wer einen Abzug aus einer Magnet-Klebealbumseite herausnehmen will, reißt die Rückseite des Abzugs ab, hinterlässt Klebstoffrückstände oder beschädigt die Bildoberfläche.
Das zweite Problem ist die Seitenversäuerung. Günstige Albumseiten bestanden aus holzhaltigem Papier, das Lignin enthält — ein natürlicher Säurebildner, der sich im Lauf der Zeit zersetzt. Die Seiten werden gelb, brüchig und geben säurehaltige Gase ab, die die darin befindlichen Abzüge angreifen. Fotos in alten Alben zeigen oft einen „Geisterabdruck" der Seite, an die sie geklebt sind: Die Rückseite des Fotos ist in einem Muster vergilbt, das exakt der Albumseite entspricht.
Das dritte Problem ist das Versagen der Bindung. Albumbindungen — ob geklebt, geheftet oder pfostengebunden — werden über Jahrzehnte schwächer. Seiten fallen heraus, Fotos rutschen aus ihren Taschen, und das Buch wird zunehmend schwierig zu handhaben, ohne weitere Schäden zu verursachen. Der Versuch, ein zerfallendes Album seitenweise auf einem Flachbettscanner zu digitalisieren, kann irreversible Schäden verursachen.
Das vierte Problem sind die Bildunterschriften. Viele Familienalben enthalten handschriftliche Beschriftungen, Daten oder kurze Geschichten neben den Fotos. Sie waren der Beitrag der Familie, damit man sich daran erinnern konnte, wer und was auf jedem Bild zu sehen ist. Mit Bleistift geschriebene Bildunterschriften sind oft fast bis zur Unlesbarkeit verblasst. Mit billigem Kugelschreiber geschriebene Beschriftungen sind verlaufen oder oxidiert. Die meisten Digitalisierungsdienste scannen nur die Abzüge und gehen auf die Bildunterschriften gar nicht ein.