Pathé 9,5mm Film hat zwei Probleme, die kein anderes Heimkino-Format teilt. Das erste ist das Trägermaterial. Rollen vor 1950 bestehen häufig aus Zellulosenitrat — demselben chemisch instabilen, hochentflammbaren Trägermaterial, das auch der frühe professionelle 35mm-Film verwendete. Nitrat zerfällt in Stufen: Zuerst wird es brüchig und verfärbt sich, dann setzt es beim Zerfall Salpetersäure frei, danach wird es klebrig, und schließlich kann es bei hohen Temperaturen spontan entflammen oder sogar chemisch selbst entzünden. Das ist kein theoretisches Risiko — Nitratbrände haben im 20. Jahrhundert zahlreiche Filmarchive zerstört.
Das zweite Problem ist mechanisch. Pathé 9,5mm verwendet eine Mittelperforation — ein einzelnes Transportloch zwischen jedem Bild, nicht an den Rändern wie bei jedem anderen Schmalfilmformat. Das war Pathés geschickter Trick, um die Bildfläche auf einem schmalen Film zu maximieren, bedeutet aber, dass die Perforation direkt durch den optischen Pfad läuft. Jedes Reißen, Dehnen oder Schrumpfen der Mittelperforation beschädigt unmittelbar die Bildfläche. Und kein Scanner, der für 8mm, Super 8 oder 16mm gebaut wurde, kann 9,5mm verarbeiten — die Transportmechanismen sind völlig unterschiedlich.
Das dritte Problem ist die Farbe. Die meisten 9,5mm-Filme sind schwarzweiß, weil Pathé Frères in der Stumm- und frühen Tonfilmära am stärksten war. Die wenigen Farb-9,5mm-Rollen (Pathéchrome) nutzten Einfärbe- und Tönungsverfahren statt echtem Farbfilm, und die Farbstoffe sind über ein Jahrhundert stark ausgeblichen.
Das vierte Problem ist, überhaupt jemanden zu finden, der das Material abspielen kann. Pathé stellte in den 1960er Jahren die Produktion von 9,5mm-Projektoren ein. Ersatzteile existieren praktisch nicht mehr. Die meisten Schmalfilmlabore in Deutschland weisen 9,5mm-Aufträge ab, weil sie schlicht nicht die Ausrüstung dafür haben.