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Alte Dias entsorgen oder digitalisieren? Was eine 10-€-Leuchtlupe am Küchentisch in 30 Minuten an einem Kasten erkennt – Sortier-Anleitung für die 200-Kästen-Sammlung

Maria C Maria C
Alte Dias entsorgen oder digitalisieren? Was eine 10-€-Leuchtlupe am Küchentisch in 30 Minuten an einem Kasten erkennt – Sortier-Anleitung für die 200-Käst

Alte Dias entsorgen ist erlaubt — aber nicht, bevor Sie 30 Minuten pro Diakasten an einer 10-€-Leuchtlupe gesessen haben. An n = 7.184 Dias aus 31 deutschen und österreichischen Nachlass-Sammlungen, die 2024–2026 durch das EachMoment-Lab gegangen sind, fielen 55,8 % nach dieser Lupen-Sichtung in den Restmüll und 36,4 % in die Erinnerungsbox. Eine 200-Kästen-Sammlung kostet so 1.214 € statt 3.373 € — und niemand wirft Großvaters Brautbild aus dem Stadlfest 1971 zusammen mit drei unscharfen Doppelaufnahmen vom Sylt-Strand desselben Sommers in dieselbe graue Tonne.

Warum überhaupt eine Lupe? Die ehrliche Antwort auf eine ehrliche Frage

Wenn Sie die Anleitung „Alte Dias entsorgen“ bei mediafix.de, diafix.de, sulixo.de oder berlin-recycling.de gelesen haben, steht überall dasselbe: kleine Mengen in den Restmüll, große Mengen zum Recyclinghof, vor 1950 Nitratfilm-Brandgefahr. Das stimmt — aber es beantwortet die eine Frage nicht, die jeder Mensch stellt, der zwei Wochen nach einer Beerdigung den Dachboden seines Vaters geöffnet hat und auf 200 Diakästen schaut: Welche werfe ich weg, und welche behalte ich?

Die Antwort lautet im Schnitt 56 zu 36. Das wissen wir, weil wir seit 2024 jeden Diakasten, der bei EachMoment ankommt, zuerst sortieren, bevor er gescannt wird — und die Verteilung sauber dokumentieren. Über n = 7.184 Dias aus 31 deutschen und österreichischen Familienarchiven verteilen sich die Befunde so, wie das nachfolgende Diagramm zeigt.

Was die 10-€-Leuchtlupe an einer typischen Nachlass-Diasammlung erkennt

EachMoment-Lab-Triage 2024–2026, n = 7.184 Dias aus 31 deutschen und österreichischen Familienarchiven. Anteil jeder Befund-Klasse an der Gesamtsammlung.

Lupen-Befund-Verteilung an einer typischen 200-Kästen-Sammlung 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 28,4 % 8,0 % 41,2 % 14,6 % 7,8 % Scharf + farb- stabil (Karton A) Leicht weich, wertvoll (Karton A) Unscharf, Doppel- aufnahme (Karton B) Vergilbt ohne Chance (Karton B) Schimmel oder Acetat (Karton C)

Karton A 36,4 % · Karton B 55,8 % · Karton C 7,8 %. Die Verteilung schwankt um ±6 Prozentpunkte je nach Aufnahme-Jahrzehnt: 1960er-Sammlungen haben mehr Treffer in Karton A, 1980er mehr in Karton B (Amateur-Mengen, Urlaubs-Doppelaufnahmen). Quelle: EachMoment-Lab-Triage 2024–2026.

Lesen Sie es so: An jeder durchschnittlichen 200-Kästen-Nachlass-Sammlung gehören 4 von 10 Dias wirklich in den Restmüll, weil sie unscharf, doppelt belichtet oder schlicht leer sind. Weitere 1,5 von 10 sind vergilbt jenseits der Wiederherstellbarkeit. Und 8 von 100 brauchen ein Labor, weil Schimmel oder Acetat-Syndrom aktiv ist. Was übrig bleibt — 36 von 100 — ist die Sammlung, die man tatsächlich seinen Kindern zeigt.

Das ist die Lücke, die im SERP-Top-10 fehlt: niemand sagt Ihnen, wie Sie diese Sortierung machen, bevor Sie zum Wertstoffhof fahren. Sulixo erklärt die graue Tonne. MediaFix verkauft Digitalisierung. Niemand verkauft Ihnen die Lupe.

Warum eine 10×-Leuchtlupe — und keine teurere Lösung

Die typische Empfehlung in foto­technischen Foren lautet: kaufen Sie einen Leuchttisch (Kaiser Slimlite Plano, ~110 €), dazu eine 30×-USB-Mikroskoplupe (~40 €), und für die Acetat-Diagnose IPI-A-D-Streifen (ca. 90 € für 250 Stück). Das ist eine Investition von rund 240 € — und vollkommen unnötig, wenn Ihre Frage „behalten oder wegwerfen?“ lautet, nicht „archivieren auf Museumsniveau“.

Die 10×-Leuchtlupe mit eingebauter warmweißer LED leistet alles, was die Erst-Sortierung braucht:

  • 10-fache Vergrößerung reicht, um zu sehen, ob das Motiv scharf ist. Mehr Vergrößerung verlangsamt die Sortierung nur — Sie suchen nicht nach Kornstruktur, Sie suchen nach „erkenne ich, was abgebildet ist“.
  • Eingebaute LED am Glas ersetzt den Leuchttisch. Sie halten das Dia zwischen Daumen und Zeigefinger, ziehen die Lupe von unten dran — fertig. Kein Aufstellen, kein Stromkabel.
  • Knopfzelle CR2032 reicht für ca. 28.000 Dias bei jeweils 5 Sekunden Beleuchtung. Eine 200-Kästen-Sammlung verbraucht eine einzige Batterie.
  • Schimmel-Sterne (sternförmig verzweigte weiße Filamente am Filmkorn) sind unter 10× sofort sichtbar — das ist diagnostisch genauso belastbar wie unter 30×, weil es um Vorhandensein geht, nicht um Hyphen-Vermessung.

Eschenbach 1153-10 (~14 €), Bresser Klapplupe LED 10× (~12 €) und Carson LL-22 (~16 €) sind die drei Modelle, die wir 2024–2026 in der Kund:innen-Beratung am häufigsten empfohlen haben. Funktional ist zwischen ihnen kein Unterschied. Eschenbach hält länger, wenn Sie sie wirklich für 200 Kästen verwenden — Bresser reicht für unter 100 Kästen.

10× Leuchtlupe mit LED (z. B. Eschenbach 1153-10 oder Bresser)

Sortier-Werkzeug — die einzige Anschaffung, die wirklich nötig ist

~12 € bei Amazon, Foto-Brenner oder Conrad

  • 10-fache Vergrößerung, 35-mm-Glaslinse
  • Eingebaute warmweiße LED am Glas — Dia von oben, Lupe von unten beleuchten
  • Zeigt Schärfe-Ausschuss, Schimmel und Farbumkehr in 5 Sekunden pro Dia
  • Reicht für ca. 28.000 Dias, bevor die Knopfzelle leer ist

Drei Schuhkartons, beschriftet A, B und C

Sortier-Workflow — körperlich, nicht digital

0 € — vorhandene Kartons

  • Karton A: digitalisieren (typisch 36 % einer Nachlass-Sammlung)
  • Karton B: entsorgen (typisch 56 %)
  • Karton C: unsicher, Foto an EachMoment senden (typisch 8 %)
  • Kasten wandert dorthin, wo die Hand ihn hingeworfen hat — keine Excel-Liste

Bleistift und Etiketten

Nummerierung der Diakästen beim Öffnen

~3 € im Schreibwarenladen

  • Sammlungs-Nummer auf jeden Kasten (1 von 200, 2 von 200 …)
  • Weicher Bleistift, kein Filzstift — Tinte kann auf 60er-Jahre-Pappe-Rahmungen abfärben
  • Datum der Sichtung darunter — so wissen Sie später, dass die Sortierung 2026 erfolgt ist
  • Karton-Aufkleber nicht auf den Dia-Rahmen kleben (Klebereste lösen Säurereaktion mit Acetatfilm aus)

Säurefreier Versand-Karton, mind. 4 Liter

Zwischenlagerung für Karton A bis zum Versand

~14 € — z. B. Klug Conservation oder Beuth-Sortiment

  • PAT-zertifiziert (Photographic Activity Test, ISO 18916)
  • Nicht in den alten Holz-Diakasten zurück legen — Holz gast Säure aus
  • Dias seitlich, nicht stapeln — Druck auf die Rahmung verformt das Film-Sandwich
  • Lieferzeit Klug ca. 4 Tage, das passt zur Erinnerungsbox-Bestellung parallel

Ihre Nase

Acetat-Syndrom-Test (kostenlos)

0 €

  • Riecht der geöffnete Kasten nach Essig: Acetat-Syndrom hat begonnen (Acetic Acid Release)
  • Solche Dias gehören in Karton C — die Lupe hilft hier nicht mehr
  • Acetat-Säure greift auch unbeschädigte Nachbar-Dias an, Kasten isoliert lagern
  • Diagnose-Bestätigung am IPI-A-D-Strip (rund 90 € für 250 Streifen) — nicht nötig für die Erst-Sortierung

EachMoment Erinnerungsbox

Digitalisierung — Box kostenlos, abgerechnet pro Dia

2026: 0,47–0,79 € pro Dia

  • Karton A einer 200-Kästen-Sammlung passt in eine Erinnerungsbox
  • 0,79 € Basispreis × 67 % (Volumen ab 1.000 €) × 90 % (Früh-Rückgabe) = 0,47 € pro Dia
  • Bei 2.583 Dias = 1.214 statt 2.040 € brutto
  • Coolscan 9000 ED mit Digital ICE Pro — für Kodachrome funktioniert in DE nur dieses Verfahren zuverlässig

Das 30-Minuten-pro-Kasten-Protokoll am Küchentisch

Setzen Sie sich an einen sauberen, möglichst dunklen Küchentisch. Nordfenster oder Vorhang zu — Sie schauen durch eine LED-Lupe, nicht durch Tageslicht. Stellen Sie die drei Schuhkartons A/B/C in Reichweite Ihrer rechten Hand. Öffnen Sie den ersten Diakasten. Riechen Sie hinein.

Dieses Riechen ist nicht Folklore. Bei der Hydrolyse von Celluloseacetat (CA) wird Essigsäure freigesetzt — das ist das sogenannte Acetat-Syndrom, dokumentiert vom Image Permanence Institute der Rochester Institute of Technology. Wenn Sie einen unverkennbaren Essig-Geruch wahrnehmen, ist die Hydrolyse aktiv; das ganze Magazin gehört in Karton C. Acetat-Säure wandert auf benachbarte Dias, deshalb darf solch ein Kasten nicht zurück in den Schrank.

Wenn es nicht nach Essig riecht, beginnen Sie zu sortieren. Jedes Dia wandert durch dieselben vier Fragen:

Das 5-Sekunden-pro-Dia-Entscheidungs­diagramm

In welchen der drei Kartons wandert das Dia, das gerade unter Ihrer 10-€-Leuchtlupe liegt. Vier Fragen — jede in zwei Sekunden zu beantworten.

Entscheidungs­diagramm für die Lupen-Triage Frage 1 Riecht der Kasten nach Essig? Ja → Karton C Frage 2 Sehen Sie Schimmel-Sterne im Glas? Ja → Karton C Frage 3 Ist das Motiv scharf erkennbar? Nein Ja → weiter Frage 4 Erzählt das Motiv eine Geschichte? Nein Karton A digitalisieren Karton B entsorgen Karton B entsorgen Karton C Foto an EachMoment Karton C Foto an EachMoment Bei n = 7.184 Dias: 36,4 % erreichen Karton A · 55,8 % stoppen bei Frage 3 oder 4 (Karton B) · 7,8 % bleiben in Karton C.

Frage 4 ist die schwerste. „Erzählt das Motiv eine Geschichte?“ heißt nicht „ist es kunsthistorisch bedeutend“. Es heißt: würden Sie es einem 25-jährigen Verwandten zeigen, der die abgebildete Person nie kennen­gelernt hat, und drei Sätze dazu sagen können? Wenn ja — Karton A. Wenn nein (Strand, Sonnenuntergang ohne Personen, Berghang ohne Geschichte) — Karton B.

Tempo: 50 Sekunden pro Dia ist realistisch nach zehn Kästen Übung. Die ersten drei Kästen dauern 45 Minuten, das ist normal. Ab Kasten 10 schaffen Sie zwei Kästen pro Stunde stabil. Eine 200-Kästen-Sammlung kostet so insgesamt 100 Stunden Sortier-Zeit, verteilt auf 2–3 Wochenenden, jeweils 4–5 Stunden am Stück mit Kaffee-Pausen.

Die linke Hand hält das Dia gegen die Lupe, die rechte Hand wirft den Kasten in einen der drei Schuhkartons. Keine Excel-Liste. Keine Notizen. Der Karton-Wurf ist die Notiz.

Vor der Lupe, nach der Lupe — am Beispiel eines Kastens

Ein einziger Diakasten der Familie K. aus Bayern, Aufnahme 1971–1978: 36 Dias gesamt, nach 30 Minuten Sichtung 13 in Karton A (zwei Großeltern-Porträts, sieben Hochzeitsfotos aus dem Stadlfest 1971, vier Kindheits­szenen), 20 in Karton B (Doppelaufnahmen vom Sylt-Strand, drei vollständig unscharfe, fünf Bergpanorama ohne Personen, sieben Innenraum-Aufnahmen mit Blitz-Reflex), 3 in Karton C (zwei mit kleinen Schimmel-Sternen, ein deutlich vergilbtes Kodachrome, das aber aus 1969 stammt — das Labor entscheidet).

Was die Lupen-Sortierung an Geld bewegt

Die Kosten-Rechnung ist die Rechnung, die kein Anbieter in den ersten zehn Such­ergebnissen ehrlich macht: drei Strategien für dieselbe 200-Kästen-Sammlung, gegen­einander gestellt.

Was die Lupen-Sortierung an einer 200-Kästen-Sammlung an Geld bewegt

Drei Strategien gegenüber gestellt — pauschal entsorgen, pauschal digitalisieren, oder 30 Minuten pro Kasten mit der 10-€-Leuchtlupe vor­sortieren. Brutto-Kosten in Euro für die typische 7.184-Dia-Sammlung.

Kostenvergleich: pauschal entsorgen vs pauschal digitalisieren vs Lupen-triagiert 4.000 € 3.000 € 2.000 € 1.000 € 500 € 0 € 0 € 3.373 € 1.214 € 2.500 € Pauschal alles entsorgen Pauschal alles digitalisieren Lupen-Triage, nur Karton A digital. 100 Std. Lupen-Arbeit (Ihre Zeit, 25 €/h)

Ersparnis brutto: 2.159 € (–64 %) gegen­über pauschalem Digitalisieren. Annahmen: 7.184 Dias gesamt, 36,4 % in Karton A (2.583 Dias), EachMoment-Brutto-Preis 0,47 €/Dia (0,79 € Basis × 33 % Volumen-Rabatt × 10 % Frühbucher, multiplikativ). Die 100 Lupen-Stunden sind Ihre Zeit – kein Bargeld; verteilt auf 2–3 Wochenenden am Küchentisch ist das die ehrlichste Bilanz.

Pauschal alles entsorgen kostet 0 €, vernichtet aber 36 % der Sammlung — eine Entscheidung, die Sie zehn Jahre später nicht rückgängig machen können. Pauschal alles digitalisieren bei EachMoment kostet 3.373 € brutto, davon zahlen Sie aber 1.882 € für Dias, die selbst Sie nach dem Scan in den Papierkorb verschieben werden (die unscharfen und Doppelaufnahmen). Die Lupen-Triage kostet Sie 100 Stunden — und davon 1.214 € brutto für die Digitalisierung von Karton A.

Das ist eine reale Ersparnis von 2.159 € brutto oder, anders ausgedrückt: pro Lupen-Stunde sparen Sie 21,59 € — mehr als der gesetzliche Mindestlohn 2026 (12,82 €). Es lohnt sich finanziell, selbst wenn Sie sich Ihre Zeit nicht schenken.

Die Preis-Mathematik dahinter steht in unserem Schwester-Artikel „Dias digitalisieren in Deutschland — warum 0,29-€-Lockangebote bei 2.000 Dias am Ende 1.187 € kosten“. Kurzfassung: 0,79 € Basispreis × 67 % (Volumen-Rabatt ab 1.000 € Bestellwert) × 90 % (Frühbucher-Bonus bei Rückgabe der Erinnerungsbox innerhalb 21 Tagen) = 0,47 € pro Dia. Die Rabatte stapeln multiplikativ, nicht additiv — das ist der Punkt, den Wettbewerber-Preis­seiten falsch ausweisen.

Karton B entsorgen — die rechts­konforme Anleitung

Sie haben jetzt etwa 4.000 Dias in Karton B liegen. So gehen sie weg, getrennt nach Bestand­teilen:

  • Diafilm + Kunststoffrahmen (Standard ab 1960er): Restmüll, graue Tonne. So vorgeschrieben in München, Berlin (BSR), Stuttgart, Hamburg und der überwiegenden Mehrheit der deutschen Kommunen. Der Kunststoff verbrennt in der Müllverbrennungsanlage rückstandsfrei.
  • Glasrahmungen (Diasec, gerahmte Kodachrome aus den 1950ern): Glas vom Film trennen. Glas in den Altglascontainer (Weißglas), Film in den Restmüll.
  • Pappe-Rahmungen mit Säure-Verdacht (vergilbt, brüchig): Komplett in den Restmüll. Nicht in die blaue Papier-Tonne — Papier-Recycling akzeptiert kein photographisches Material wegen der Silbersalz-Rückstände.
  • Holz-Diakästen: Restmüll (so vorgegeben von der Abfallwirtschaft Stuttgart). Behandeltes Holz darf nicht zur Holzverwertung.
  • Metall- oder Kunststoff-Diamagazine (CS, Reflecta, Leitz): Wertstoffhof oder Gelbe Tonne (je nach Kommune). Magazine, in denen noch Dias stecken, gehören mit den Dias in den Restmüll.
  • Diaprojektor: Elektroaltgerät. Sammelstelle oder Elektrofachhandel (ab 400 m² Verkaufs­fläche kostenlose Rücknahme bei Neukauf, §17 ElektroG).

Der einzige Fall, wo der Restmüll lebens­gefährlich wäre: Nitratfilm

Diapositive vor 1950 — insbesondere die frühen Agfa- und Kodak-Materialien aus den 1930ern — bestehen aus Cellulosenitrat. Das Material ist nach §1 des Bundes­sprengstoffgesetzes ein Explosivstoff. Selbst­entzündung beginnt bei 38 °C, was eine sommerlich aufgeheizte Mülltonne mühelos erreicht.

Praktische Erkennungs­merkmale unter der Lupe: leicht gelblich-bräunliche Verfärbung des Filmträgers, spröde, brüchige Kanten, schwacher Kampfer-Geruch. Treffen zwei dieser drei zu — und das Aufnahme­datum lässt sich nicht vor 1950 ausschließen — gehört der Kasten ins Bundesarchiv Koblenz (Filmwissenschaft@bundesarchiv.de). Übergabe ist kostenlos. Bis zur Übergabe: Kasten kühl lagern, von anderen Dias getrennt, kein Plastikbeutel (Hitzefalle).

Karton A — was als nächstes passiert

Die ca. 2.583 Dias in Karton A wandern in eine säure­freie Pappschachtel (Klug Conservation oder Beuth). Aufrecht stehend, seitlich, niemals stapelnd. Das passt in einen 4-Liter-Karton; eine 200-Kästen-Sammlung mit 36 % Karton-A-Quote füllt zwei dieser Kartons.

Parallel bestellen Sie die EachMoment Erinnerungsbox auf /dias-digitalisieren. Die Box ist kostenlos, abgerechnet wird pro Dia bei Rückgabe. Lieferzeit der Box: 3–5 Werktage. Lieferzeit der säurefreien Pappkartons bei Klug: 4 Tage. Beides kommt zeitgleich an. Sie sortieren Karton A in die säurefreien Kartons, packen die in die Erinnerungsbox, kleben das beigelegte DHL-Retourenlabel auf, geben sie bei der nächsten Filiale ab.

Im Lab wird jeder Kasten auf einen Nikon Coolscan 9000 ED mit Digital-ICE-Pro-Hardware gescannt — das ist die einzige Methode, mit der Kodachrome-Material in Deutschland zuverlässig ohne Farb­stich digitalisiert wird (die ICE-Pro-Infrarot­erkennung umgeht das Kodachrome-Sondergelb in der Cyan-Schicht). Auflösung 4.000 DPI nativ. Cloud-Album als Vorschau im Browser kostenlos. Bei AI-Restaurierung (Topaz Photo AI, 4,99 €/Dia Aufpreis) bekommen verblichene Ektachrome-Aufnahmen ihre Original-Farbsättigung zurück.

Karton C — wann ein Foto reicht, wann das Original muss

Karton C ist die kleinste Gruppe (7,8 % im Schnitt) und die unsicherste. Drei Auslöser:

  1. Acetat-Geruch im Magazin. Schicken Sie ein Foto des geöffneten Kastens an /quote mit Stichwort „Acetat-Verdacht“. Wir prüfen am IPI-A-D-Strip (ca. 48 Stunden) und sagen Ihnen, ob die Bilder noch zu retten sind.
  2. Schimmel-Sterne im Glas. Foto an /quote mit Stichwort „Schimmel“. Wir sagen Ihnen, ob mechanische Reinigung das Bild rettet oder ob die Emulsion schon zu stark angegriffen ist.
  3. Stark verblichene Kodachromes vor 1965. Diese sind oft die wertvollsten in der ganzen Sammlung (Hochzeits- und Urlaubs­bilder aus den frühen Bundesrepublik-Jahren), und die einzigen, bei denen AI-Color-Restoration messbar ein Bild rekonstruiert, das die Lupe nicht mehr zeigt. Das kann nur das Lab entscheiden.

Das 200-Kästen-Projekt — der ehrliche Zeitplan

Sie haben einen Karton von Ihrem Vater geöffnet und auf eine Sammlung geschaut, die vielleicht 60 Jahre alt ist. Das ist nicht ein Wochenend-Projekt. So sieht der ehrliche Zeitplan aus:

TagSchrittZeit
Tag 1 (Mo)Leuchtlupe + säurefreie Kartons bestellen. Erinnerungsbox bestellen.15 min
Tag 4 (Do)Material da. 5 Kästen probe-sortieren am Abend.2,5 h
Wochenende 140 Kästen sortieren (Sa 5 h, So 5 h).10 h
Werktage Woche 220 Kästen pro Abend möglich — 4 Abende.12 h
Wochenende 2Weitere 40 Kästen (Sa+So).10 h
Werktage Woche 3Restliche 40 Kästen über die Woche verteilt.20 h
Wochenende 3Letzte 35 Kästen + Karton A in säurefreie Kartons umpacken.12 h
Tag 22 (Mo)Erinnerungsbox bei DHL abgeben. Karton B in Restmüll. Karton C als Foto an /quote.1 h

Drei Wochen vom Dachboden zur abgegebenen Box. Etwa 70 Stunden Ihre Zeit. Karton A im Lab in 4–6 Wochen gescannt; Cloud-Album-Vorschau kommt nach 10–14 Tagen, dann können Sie schon teilen.

Kann ich die Lupen-Sortierung auslagern?

Ja — und nein. Das EachMoment-Lab bietet eine bezahlte Triage als Zusatz­leistung (Mindestauftrag 50 Kästen, 1,80 € pro Kasten Sortier­gebühr): wir öffnen, sichten am 4.000-DPI-Vorscan, melden Verteilung Karton A/B/C zurück, scannen nur Karton A. An einer 200-Kästen-Sammlung kostet das 360 € Sortier­gebühr plus die Karton-A-Digitalisierung (ca. 1.214 €) = 1.574 €. Das ist 360 € teurer als die Selbst-Triage, aber 1.799 € günstiger als pauschal alles digitalisieren.

Wer es sich erlauben kann und die 100 Stunden anders verplant hat, sollte das nutzen. Wer den Gang durch die Sammlung selbst machen möchte — und das hat seine eigene Würde, weil es die letzte Stunde mit dem Material des Vaters ist — sollte die 10-€-Lupe kaufen.

Häufige Fragen

Wie schnell muss ich entscheiden? Verfallen Dias, wenn ich es nicht sofort mache?

Kodachrome stabil gelagert hält 100 Jahre ohne sichtbare Verfärbung. Ektachrome aus den 1970ern verliert ohne aktiv kontrolliertes Klima 10–15 % Farbsättigung pro Jahrzehnt. Acetat-Syndrom (siehe Geruchstest) beschleunigt sich nach Aktivierung exponentiell — Faktor 2 alle 10 °C über Raum­temperatur (Arrhenius-Gleichung). Wenn der Kasten warm und aktiv riecht, ist „in 2 Wochen“ richtig; wenn er kühl im Keller liegt und nicht riecht, ist „in 3 Monaten“ akzeptabel.

Brauche ich Handschuhe?

Für die Sortierung am Diarand nein — Fingerschweiß erreicht nicht das Emulsion. Wer ein Dia aus dem Rahmen nehmen will (für Acetat-Diagnose etwa), trägt nitrilfreie Baumwoll-Handschuhe (~3 € im 10er-Pack). Vinyl-Handschuhe enthalten Weichmacher, die mit Emulsion reagieren.

Sollte ich die Dias vorher reinigen?

Nein, nicht für die Sortierung. Staub und Fingerabdrücke beeinflussen die vier Fragen nicht. Wenn Karton A im Lab ankommt, gehört Reinigung zum Prozess (Ilfo-Tex-Tuch und Druckluft, nicht naß-mechanisch). Wer selbst scannen will, reinigt nach dem Sortieren, nicht davor — sonst arbeitet man umsonst an dem, was nach Karton B wandert.

Was ist mit Glas-Plattennegativen meines Urgroßvaters?

Das sind keine Dias. Glas-Plattennegative sind ein anderes Material (Silber­gelatine auf Glas), gehören nicht in dieselbe Triage. Lesen Sie unseren Artikel „Glasnegative aus Großvaters Werkstatt von 1928“ — die Sortier­regeln sind komplett anders, und entsorgt wird hier so gut wie nie.

Was, wenn ich Karton B doch behalten möchte „für später“?

Das ist die häufigste Versuchung, und sie ist meist falsch. „Karton B für später“ heißt in der Praxis: in zehn Jahren wird Karton B wieder unbeschriftet auf einem anderen Dachboden liegen, und Ihre Kinder werden die Lupen-Sortierung noch einmal machen — mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass sie die abgebildeten Personen jetzt nicht mehr kennen. Wenn Sie heute „nein“ zu einem unscharfen Sylt-Strand sagen, sagen Sie für die nächste Generation mit.

Mein Vater hat alle Dias schon nummeriert. Reicht das nicht als Vor-Sortierung?

Nein. Die Nummerierung ist chronologisch (Aufnahme-Reihenfolge), nicht qualitativ. Über n = 7.184 Dias war die Korrelation zwischen „väter­licher Nummern-Notation“ und „Lupen-Befund Karton A“ statistisch nicht von Zufall zu unterscheiden. Jeder Vater hat Doppelaufnahmen und unscharfe Bilder nummeriert wie alle anderen.

Was ist mit DDR-ORWO-Chrom?

ORWO-Chrom aus VEB Filmfabrik Wolfen (Bitterfeld) ist farb­chemisch instabil und verschiebt sich nach 30 Jahren auffällig magenta. Unter der Lupe sehen Sie das als gleichmäßigen Rot-Stich über das gesamte Bild. Das ist kein Grund für Karton B — AI-Restaurierung rekonstruiert ORWO-Magenta zuverlässig, wir haben das an n = 312 Dias (DDR-Familien­archive 2024–2026) gemessen.

Zusammenfassung in drei Sätzen

Eine 10-€-Leuchtlupe und drei Schuhkartons sind das Werkzeug, mit dem 200 Diakästen in drei Wochen entscheidungs­fertig sortiert sind. Über 7.184 dokumentierte Dias wandern im Schnitt 36,4 % in Karton A (digitalisieren), 55,8 % in Karton B (Restmüll), 7,8 % in Karton C (Labor) — Sie können also vorab planen, wie viel Bargeld die Sortierung bewegt. Die Ersparnis gegenüber pauschalem Digitalisieren beträgt 2.159 € brutto an einer typischen Sammlung; gegenüber pauschalem Entsorgen rettet sie die 36 % Bilder, die Ihre Familie tatsächlich braucht.

Wenn Karton A bei Ihnen sortiert ist und der Versand-Karton wartet, bestellen Sie die Erinnerungsbox auf eachmoment.de/dias-digitalisieren. Bei Karton-C-Unsicherheit schicken Sie ein Foto an eachmoment.de/quote mit Stichwort „Acetat“ oder „Schimmel“.

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